Anpacken Artenschutz: Den Pöchlarner Fledermäusen unter die Flügel greifen

Das Brunnenschutzgebiet in der Gemeinde Pöchlarn (Bezirk Melk) wird seit 1998 von engagierten LehrerInnen und SchülerInnen der Öko-MS-Pöchlarn betreut und als Naturlehrgebiet genutzt. Um hier das Quartierangebot für Fledermäuse zu erhöhen, werden von den Schülern und Schülerinnen Fledermausersatzquartiere gebaut und mit Unterstützung von der Gemeinde Pöchlarn montiert. Gemeinsam mit den Umweltgemeinderäten Benjamin Wippel-Fasching und Matthias Komarek, sowie der Öko-Mittelschule Pöchlarn koordiniert Fledermausexpertin Katharina Bürger die Umsetzung des Projektes. Die Ergebnisse der Fledermauserhebung im Brunnenschutzgebiet und die Schutzwürdigkeit von Fledermäusen werden den Schülern und Schülerinnen vermittelt und im Zuge einer Fledermausnacht die Fledermäuse direkt erlebbar und beobachtbar gemacht.


Pöchlarn: Öko MS ganz im Zeichen der Fledermaus!

20. September 2021

Montag der 20. September war in der Öko MS Pöchlarn ganz im Zeichen der Fledermaus. Vormittags erhielten die 1. bis 4. Klassen einen Vortrag über die Biologie und Ökologie der Fledermäuse. Am Abend spazierten wir mit den Öko-Schülern und Öko-Schülerinnen der 3. und 4. Klassen durch das Brunnenschutzgebiet. Ausgestattet mit einem „Batdetektor“ gingen wir auf Lauschangriff und wurden fündig. Etliche Fledermäuse flogen um unsere Köpfe und eine verfing sich sogar in einem unserer Netze. Sofort befreit, wurde sie nach näherer Betrachtung als Bartfledermaus (Myotis mystacinus) bestimmt. Diese Art lässt sich nur anhand bestimmter morphologischer Merkmale nachweisen. Die Rufe überschneiden sich mit jenen der Brandtfledermaus und können nicht eindeutig getrennt werden.

Damit haben wir aktuell (September 2021) definitv 9 Fledermausarten im Brunnenschutzgebiet nachgewiesen! Hier geht´s zum Beitrag in der "NÖN"!

Die Bartfledermaus gehört ebenfalls zu unseren kleinsten Vertreterinnen der heimischen Fledermausarten. Sie ist generell eine sehr lebhafte Art, die ein vielfältiges Lebensraum- und Nahrungsangebot nutzt. Ihre Jagdgebiete liegen in Wäldern, im Siedlungsbereich in naturnahen Gärten oder in der Nähe von Gewässern mit Uferbewuchs. Ähnlich wie die Zwergfledermaus ist sie vorwiegend hinter Holzverschalungen, aber auch hinter Fensterläden oder sonstigen Spalten an Gebäuden zu finden. Als Ersatzquartiere werden gerne Fledermausbretter angenommen.

Hier gibt´s mehr Details zur Bartfledermaus!

Um den Pöchlarner Fledermäusen auch im Brunnenschutzgebiet ausreichend Quartiermöglichkeiten zu bieten, werden von den Schülerinnen und Schülern Ersatzquartiere in Form von Fledermausbrettern gebastelt. Die Winterzeit ist dafür ideal, da die Fledermäuse sich nun in ihre Winterquartiere zurückziehen und erst im Frühjahr, wenn es wieder wärmer wird, langsam wieder auftauchen.


Pöchlarn: Erste Schritte zum Schutz für die Pöchlarner Fledermäuse!

Sommer 2021

Um den Fledermäusen tatsächlich unter die Flügel greifen zu können, müssen wir vorerst einmal wissen, welche Fledermausarten in dem Gebiet vorkommen. Im Zuge dieser Fragestellung haben wir gemeinsam mit GR Benjamin Wippel-Fasching einen Lauschangriff gestartet und im Juli ein Rufaufnahmegerät montiert. Mit diesem so genannten Batcorder werden die Ultraschallrufe der Fledermäuse aufgenommen und den jeweiligen Arten oder zumindest Artengruppen zugeordnet. Da sich nicht alle Arten mit dieser Methode nachweisen lassen, bekommen wir zuerst einmal einen Eindruck, ob Fledermäuse da sind und wie hoch die Aktivität ist.

Die ersten Ergebnisse sind sehr erfreulich. Zunächst einmal die Anzahl an Aufnahmen - in drei Nächten im Juli wurden 578 Rufaufnahmen gemacht, das ist relativ viel. Ähnlich gute Ergebnisse haben wir direkt an Gewässern, da hier sehr viele Fledermäuse aktiv nach Insekten jagen.

Folgende Arten konnten wir im Sommer nachweisen:
- Nordfledermaus (Eptesicus nilssonii)
- Wasserfledermaus (Myotis daubentonii)
- Fransenfledermaus (Myotis nattereri)
- Wimperfledermaus (Myotis emarginatus)
- Abendsegler (Nyctalus noctula)
- Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii)
- Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus)
- Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus)

Hinzu kommen noch Rufe, die noch nicht eindeutig einer Art zugeordnet werden konnten, aber möglich sind:
- Weißrandfledermaus?
- Zweifarbfledermaus?
- Kleinabendsegler?
- Bechsteinfledermaus?
- Alpenfledermaus?
Hier gilt es, das Vorkommen dieser Arten noch genau abzuklären!

Die Zwergfledermaus ist eine der häufigsten Arten im Brunnenschutzgebiet. Sie ist neben der Mückenfledermaus die kleinste Fledermausart in Österreich, mit 19 cm Flügelspannweite und einem Körpergewicht von 3-5 g. Mit eingeklappten Flügeln passt sie locker in eine Zündholzschachtel. Als Spaltenbewohnerin bezieht sie ihre Quartiere gerne in engen Spalten, oft nur 1-3 cm dick, an Gebäuden: am liebsten hinter Holzverkleidungen oder in Zwischenwänden. Ersatzweise werden auch Fledermausbretter von ihr gerne und gut angenommen.

Hier gibt´s mehr Details zur Zwergfledermaus!


Pöchlarn: Wieso gerade Fledermäuse?

Auch wenn es für einige kaum vorstellbar ist, zieht das Thema „Fledermäuse“ immer wieder neugierige Blicke auf sich und lässt Ohren größer werden. Sie verkörpern in manchen Regionen und Köpfen (leider) noch immer etwas Mystisches, im schlimmsten Fall etwas Negatives. Während sie doch irgendwie faszinieren. In den meisten Fällen siegt die Neugier und auch der skeptischste Mensch möchte mehr über diese kleinen nachtaktiven Säugetiere erfahren!

Wusstest du zum Beispiel,
…dass Fledermäuse die einzigen Säugetiere sind, die aktiv fliegen können?
…dass die kleinsten einheimischen Fledermäuse, die Zwerg- und die Mückenfledermaus, in eine Zündholzschachtel passen und nur so viel wie ein 50 Centstück wiegen (4-5 g)?
…dass einige Fledermausarten weite Strecken zwischen Sommer- und Winterquartieren zurücklegen können? Konkret bis zu 2000 km!

Fledermäuse sind durchaus nützliche Gesellen und Gesellinnen in unserer Landschaft. Sie sorgen für ein Gleichgewicht in der Natur, indem sie sich auf dämmerungs- und nachtaktive Insekten spezialisiert haben, darunter auch für die Landwirtschaft oder unsere Gärten schadhafte Insekten. Daher sollten wir sie nicht vertreiben, sondern im Gegenteil, ihnen dankbar sein. Eine Wochenstube (=Mutter-Kind-Stube) von 100 Muttertieren kann in einer Saison mehr als 1,5 Tonnen Insekten vertilgen. Aufgrund des hohen Energieaufwandes beim Fliegen, benötigen sie besonders viel und eiweißreiche Nahrung. Und der Rest, der unverdaut durch den Körper geht, kann als wertvoller Dünger angesehen werden.

Unter den Fledermäusen finden sich neun besonders gefährdete Arten, die unsere Unterstützung benötigen. Generell sind aber alle Fledermausarten in Österreich geschützt, da sie mit unterschiedlichen Gefährdungsursachen zu kämpfen haben. Ganz oben auf der Liste steht dabei die Zerstörung von Fledermauslebensräumen: Abholzung, Entnahme von wichtigen Leitstrukturen oder das Verschließen von Dachböden, Kirchtürmen und Spalten an Gebäuden. Aber auch der Straßenbau, die Verwendung von Insektengift in Haus und Garten oder auf den Feldern, Windkraftanlagen an ungünstigen Standorten oder falsche und zu starke Beleuchtung sind Faktoren, die sich negativ auf unsere Fledermäuse auswirken.


Pöchlarn: Gehen wir etwas in der Zeit zurück…

Vor 31 Jahren schuf ein engagierter Lehrer mit seinen Schülern und Schülerinnen der ÖKO-Hauptschule Pöchlarn in Kooperation mit der Gemeinde auf einer Fläche von zwei Hektar ein kleines Naturjuwel für Pflanzen und Tiere. Der Grundgedanke war es, in dem Brunnenschutzgebiet für qualitativ hochwertiges Trinkwasser zu sorgen und die Artenvielfalt zu erhöhen. Ein sehr fortschrittlicher Gedanke, der viele Jahre seine Früchte getragen hat und es heute noch tut. Denn diese Fläche ist durch die notwendige Pflege und den Einsatz der Initiatoren nicht nur zu einem geeigneten Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten geworden, sondern wird bis heute regelmäßig und gerne als „Naturlehrgebiet“ genutzt. Wo, wenn nicht direkt in der Natur, lernen Schüler und Schülerinnen am besten die Biologie der Fauna, Flora und ihre Zusammenhänge kennen. Das Erleben der Natur und das Verständnis für die Natur wird vor allem durch die Sinne verstärkt: die Tiere beobachten, die Wiese spüren, das Obst schmecken.

Johann Radinger, ehemaliger Lehrer der Öko-Hauptschule und Initiator des Naturlehrgebietes - Brunnenschutzgebiet der Nibelungenstadt Pöchlarn: „Meine Vision war es, ein Lehrgebiet in der nahen Natur für Schüler und Schülerinnen zu schaffen, um für sie die Natur direkt erlebbar zu machen. Wir haben 70 heimische Gehölzpflanzen ausgebracht, die mit ihren Blüten und Früchten für eine hohe Artenvielfalt sorgen. Auf über 3.000 m² Wiesenflächen wachsen über 340 verschiedene Blütenpflanzen. Ich kann sagen, diese Vision ist mehr als in Erfüllung gegangen!

Wie wir sehen werden profitieren viele Tierarten, darunter auch die Fledermäuse von solchen langfristigen und innovativen Bemühungen!